Vorbildfunktion Führungskraft und ihre Wirkung auf Teamentwicklung und Führungskompetenz
Die verbreitete Fehlannahme von Vorbildfunktion
Viele Führungskräfte gehen davon aus, dass ihre Vorbildfunktion vor allem fachlich wirksam sein muss. Kompetenz zeigen. Antworten liefern. Sicherheit ausstrahlen. Diese Denkweise ist in vielen Organisationen tief verankert und prägt Beförderungsentscheidungen bis heute.
Warum Teams sich nicht an Fachlichkeit orientieren
Im Führungsalltag zeigt sich ein anderes Muster. Teams orientieren sich kaum an Fachwissen. Sie orientieren sich an Verhalten. An dem, was Führungskräfte tun, wenn Druck entsteht. Wenn Entscheidungen unklar sind. Wenn Fehler passieren oder Konflikte offen liegen. Führung wirkt nicht durch Wissen, sondern durch sichtbare Haltung.
Die Vorbildfunktion einer Führungskraft entfaltet ihre Wirkung über innere Klarheit. Haltung zeigt sich in Konsistenz. Im Umgang mit Verantwortung. In der Art der Kommunikation. Im Umgang mit Unsicherheit. Diese Muster prägen Teams dauerhaft und unabhängig davon, wie ausgeprägt die fachliche Expertise ist.
Wenn die beste Fachkraft Führungskraft wird
Besonders deutlich wird das im Vertrieb. Immer wieder werden die besten Verkäufer befördert, mit der Erwartung, ihre fachlichen Erfolge auf andere zu übertragen. Ihre Zahlen werden zur Messlatte. Ihre Vorgehensweise zur Vorgabe. Die Annahme dahinter ist klar. Wer selbst erfolgreich verkauft hat, wird andere erfolgreich machen.
Die strukturellen Folgen fachlich geprägter Führung
Das Ergebnis ist in der Praxis fast immer identisch.
Erstens verliert das Unternehmen einen verkaufsstarken Mitarbeiter, dessen Wegfall operativ kaum zu kompensieren ist. Leistung verschwindet aus der Fläche und lässt sich kurzfristig nicht ersetzen.
Zweitens verliert das Team an Dynamik, weil sich der Fokus von Führung auf fachliche Expertise verschiebt. Dem Team wird eine Führungskraft gegenübergestellt, die verkauft hat, aber Führung nicht entwickelt hat. Orientierung wird durch Vergleich ersetzt.
Drittens folgen die Konsequenzen. Überforderung auf Seiten der Führungskraft. Frustration im Team. Absicherung statt Eigenverantwortung. Stillstand statt Entwicklung.
Dieses Muster ist offensichtlich. Und dennoch manövrieren sich Unternehmen immer wieder in genau diese Zwickmühle. Nicht aus Unwissenheit, sondern aus einer veralteten Vorstellung von Vorbildfunktion.
Problematisch wird es dort, wo Fachlichkeit zur Schutzschicht wird. Wenn Führung sich hinter Expertise zurückzieht, statt persönlich präsent zu sein, verliert sie Wirkung. Führungskompetenz wird dann durch Wissen ersetzt. Kurzfristig wirkt das stabil. Langfristig ist es strukturell schädlich.
Das Mitarbeiter- (Jahres) Gespräch. Hier gehts zum stärkenorientierten Mitarbeitergespräch als Vorlage und Leitfaden.
Vorbildfunktion Führungskraft unter Unsicherheit
Mit zunehmender Komplexität verliert Fachlichkeit weiter an Steuerungskraft. Entscheidungen entstehen immer seltener aus vollständigem Wissen. Führung bedeutet immer weniger, Antworten zu liefern, und immer häufiger, Orientierung zu geben. Die Vorbildfunktion der Führungskraft verschiebt sich damit grundlegend.
In diesem Kontext wird Führung neu bewertet. Nicht als fachlicher Maßstab, sondern als Referenz für Entscheidungsverhalten. Wie wird mit Unsicherheit umgegangen. Wie werden Prioritäten gesetzt, wenn Zielkonflikte bestehen. Wie bleibt Haltung stabil, wenn Sicherheit fehlt.
Warum Haltung Fachlichkeit zunehmend ersetzt
Teams lernen in solchen Situationen nicht durch Vorgaben, sondern durch Beobachtung. Sie übernehmen Denkweisen, nicht Anweisungen. Führung wirkt hier nicht erklärend, sondern ordnend. Genau darin liegt ihre eigentliche Vorbildfunktion.
Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Effekt. Je mehr Wissen verfügbar ist, desto weniger unterscheidend wird Fachlichkeit. Informationen sind jederzeit abrufbar. Expertise ist skalierbar. Haltung ist es nicht. Der Unterschied entsteht dort, wo Führungskräfte sich selbst führen können.
Wer Entscheidungen delegiert, ohne Verantwortung abzugeben, schafft Abhängigkeit. Wer Fachlichkeit vorschiebt, vermeidet persönliche Klärung. Wer Haltung vorlebt, schafft Entwicklung. Die Vorbildfunktion der Führungskraft entscheidet damit nicht über Leistung allein, sondern über die Reife eines Systems.
Was Vorbildfunktion heute wirklich bedeutet
Führung verliert dort an Wirkung, wo Fachlichkeit Verantwortung ersetzt.
Je komplexer Organisationen werden, desto weniger führen Antworten und desto mehr führt Haltung.
Teams übernehmen keine Anweisungen. Sie übernehmen Denkweisen.
Fachlichkeit erklärt. Haltung ordnet.
Führung wird nicht durch Wissen wirksam, sondern durch Klarheit unter Unsicherheit.
Teamentwicklung beginnt nicht beim Team. Sie beginnt bei der inneren Klarheit der Führungskraft. Dort entscheidet sich, ob Menschen mitdenken oder nur ausführen. Ob Verantwortung geteilt wird oder an der Spitze hängen bleibt.
Führung wird oft dort einsam, wo sie innerlich komplex wird.
Einen spannenden Einblick gibt Wikipedia zum Begriff: Vorbild
